SPD Ravensburg

Die neue Mitte-Studie „Die angespannte Mitte“

Veröffentlicht am 11.11.2025 in Bundespolitik

Wir als SPD Ravensburg sind überzeugt: Demokratische Stärke entsteht nicht durch Abgrenzung, sondern durch Zusammenhalt. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie findet ihr am Seitenende.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung, unsere parteinahe Stiftung, hat ihre neue „Mitte-Studie“ veröffentlicht. Sie gibt fundiert Auskunft über die Verbreitung, Entwicklung und Hintergründe rechtsextremer, menschenfeindlicher und antidemokratischer Einstellungen in Deutschland.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen eine besorgniserregende Entwicklung: Immer mehr Menschen in Deutschland wünschen sich ein „starkes Nationalgefühl“. Die Studie zeigt, dass die Vorstellung, das eigene Land müsse anderen überlegen sein – in der Mitte der Gesellschaft zunehmend Zustimmung findet. Was manchen harmlos erscheinen mag, ist gefährlich. Denn solche Haltungen wirken als Brücken zwischen der gesellschaftlichen Mitte und dem organisierten Rechtsextremismus. Wo nationale Überlegenheit betont wird, werden Minderheiten oft nicht mehr als gleichwertig wahrgenommen.

Dieser Entwicklung stellen wir uns als SPD Ravensburg klar entgegen. Wir setzen uns für ein starkes, soziales und zukunftsfähiges Ravensburg ein, in dem Respekt, Solidarität und ein Miteinander auf Augenhöhe die Grundlage unseres Zusammenlebens bilden.

Zur Studie https://www.fes.de/mitte-studie

Zentralen Ergebnisse aus der Studie:

  1. Weniger Menschen mit rechtsextremem Weltbild als vor zwei Jahren – Offenheit für antidemokratische Orientierungen bleibt jedoch bestehen.

    Obwohl der Anteil klar rechtsextremer Weltbilder auf 3,3 % gesunken ist, zeigt sich bei 20 % der Befragten eine ambivalente Haltung, die eine Offenheit für antidemokratische Positionen signalisiert.

  2. Rechtsextremismus wird größtenteils als bedrohlich wahrgenommen – aber wer ihn verharmlost, ist selbst eher rechtsextrem eingestellt und billigt politische Gewalt.

    Während 70 % Rechtsextremismus als Bedrohung sehen, verharmlosen ihn 22 %, und diese Gruppe neigt selbst signifikant stärker zu rechtsextremen Ansichten und zur Billigung von Gewalt.

  3. Mehrheit von Demokratie überzeugt – Zweifel an ihrem Funktionieren und ihrer Gerechtigkeit jedoch auf Höchstwert.

    Trotz einer hohen grundsätzlichen Zustimmung zur Demokratie (79 %) sind die Zweifel an ihrer realen Leistungsfähigkeit (nur 52 % zufrieden) und Gerechtigkeit (nur 37 % zufrieden) so hoch wie nie zuvor.

  4. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bleibt fest in der Mitte verankert.

    Abwertungen gegenüber verschiedenen Gruppen wie Geflüchteten (Sozialmissbrauch-Unterstellung bei 36 %), Juden (antisemitische Tendenzen verschärft) und Langzeitarbeitslosen (36 % Klassismus) sind weiterhin stark verbreitet.

  5. Nützlichkeits- und Leistungslogiken verstärken antidemokratische Orientierungen – und bilden eine Brücke zu Ungleichwertigkeitsvorstellungen und rechtsextremer Ideologie.

    Ein Viertel der Befragten folgt einer libertär-autoritären Ideologie, die Leistung und Eigennutz priorisiert, was überdurchschnittlich oft mit einem rechtsextremen Weltbild (13,5 %) und Gewaltbilligung (19 %) einhergeht.

  6. Autoritäre Erziehung und Sozialisation wirken sich auf antidemokratische Orientierungen aus.

    Menschen, die autoritär oder besonders leistungsorientiert erzogen wurden, neigen als Erwachsene überdurchschnittlich oft zu rechtsextremen Weltbildern (14 % bzw. 20 %) und zur Verharmlosung von Rechtsextremismus.

  7. Klimaprogressive geraten unter Druck – Indifferenz, Ambivalenz und Ablehnung nehmen zu.

    Die Zustimmung zu progressivem Klimaschutz ist auf 51 % gesunken, da weniger Menschen (nur noch 56 %) den Klimawandel als große Bedrohung wahrnehmen.

  8. Politische Kultur unter Druck sozialer Ungleichheiten – Alter, Bildung, Geschlecht und Region als Risikofaktoren?

    Anti-demokratische Einstellungen variieren stark nach soziodemografischen Faktoren, wobei etwa jüngere Menschen häufiger ein rechtsextremes Weltbild aufweisen, während Bildung davor schützt.

  9. Mehr politische Bildung für die Demokratie und gegen Rechtsextremismus.

    Die Studie schließt mit der Forderung, politische Bildung (von 61 % als wichtig erachtet) und den Sozialstaat zu stärken, um Gerechtigkeitsdefizite anzugehen und die Demokratie zu festigen.