Zu besuch im Seniorenzentrum Weststadt
Als SPD Ravensburg war es uns ein wichtiges Anliegen, Einblicke in die aktuelle Situation der Pflege und Betreuung in unserer Stadt zu gewinnen. Daher haben wir das Seniorenzentrum Weststadt (Trägerschaft Alpenland) besucht, das seit 1973 ein zentraler Bestandteil der Versorgung in Ravensburg ist.
Was wir sahen, war beeindruckend: Das Seniorenzentrum ist mit gegenwärtig 196 Bewohnerinnen und Bewohnern das größte Haus des familiengeführten Trägers Alpenland in Baden-Württemberg. Das Konzept des Hauses ist auf Kontinuität ausgelegt. Es beginnt bei 89 Plätzen im betreuten Wohnen und ermöglicht einen nahtlosen Übergang in die Pflege, wenn dies nötig wird. Ergänzt wird das Angebot durch die ambulante Versorgung von Alpenland mobil. Das Zusammenleben ist in fünf Wohnbereichen organisiert. Besonders hervorzuheben ist der geschützte Bereich für 34 Menschen mit Demenz, der eine spezialisierte Betreuung sicherstellt. Positiv ist uns der Fokus auf Gemeinschaft und Selbstbestimmung aufgefallen. Die Anwesenheit eines Kindergartens im Haus schafft zudem einen wertvollen Austausch zwischen den Generationen
Personal: Vielfalt als Stärke und Herausforderung
Der gesamte Betrieb zählt rund 200 Mitarbeitende, davon etwa 170 allein im Bereich der Pflege. Das Haus stellt sich aktiv der Herausforderung des Fachkräftemangels und bildet aktuell 31 Schülerinnen und Schüler aus.
Uns wurde deutlich gemacht, wie entscheidend einer guter Umgang mit Diversität ist. Aktuell stammen alle Auszubildenden aus dem Ausland. Das Seniorenzentrum Weststadt hat hier frühzeitig die Weichen gestellt und profitiert davon, schon lange aktiv ausländische Auszubildende angeworben zu haben, um dem Flaschenhals Personal zu begegnen. Unterstrichen wurde die Bedeutung einer gelebten Willkommenskultur und einer aktiven Mitarbeiterbindung.
Politische Herausforderungen: Platzmangel und Bürokratie
Im Gespräch wurden die drängenden Probleme der Pflegelandschaft klar benannt: Hohe Nachfrage: Das Zentrum erhält täglich 15 bis 20 Anfragen für dringende Fälle. Die Versorgung mit Pflegeplätzen im Kreis ist generell problematisch. Ausbildung: Es gibt insgesamt zu wenig Plätze für Pflegeschüler. Die integrierte Ausbildung sorgt für eine gute theoretische Ausbildung, aber gleichzeitig dafür, dass die Auszubildenden in den einzelnen Häusern zu wenig vor Ort sind. Regulatorische Hürden: Der Wegfall der Doppelbetten und die politisch Obergrenze von 100 Bewohnern pro Haus wurden als problematisch für die Wirtschaftlichkeit und Bedarfsdeckung angesprochen.
Wir danken der Leitung und den Mitarbeitenden des Seniorenzentrums Weststadt für den ehrlichen Einblick. Wir nehmen viele wichtige Impulse für unsere politische Arbeit mit – insbesondere die Notwendigkeit, die bürokratischen Hürden, die einer bedarfsgerechten Pflege im Wege stehen, in die Landespolitik hinein zu tragen.