Erholungslandschaft Schussensiedlung mit Schattenseiten
Was bewegt die Menschen in der Schussensiedlung? Mit ihrem bereits vierten Bürgerdialog gab der Ravensburger Ortsverein der SPD den dort ansässigen Bürgerinnen und Bürgern am vergangenen Donnerstag im Jugendtreff am Schussendamm die Möglichkeit, ihre Sorgen, Nöte aber auch Lob und positive Anregungen in ihrem Wohnbezirk aus ihrer persönlichen Sicht zu schildern und ungefiltert an die Sozialdemokraten vor Ort weiterzugeben.
Manfred Ströhm, Vorsitzender der SPD Ravensburg, begrüßte die anwesenden Bewohner der Schussensiedlung, auch bekannt als Grünlandsiedlung. Die Ravensburger SPD-Fraktion war ebenfalls fast vollständig vertreten. Zugleich bedankte er sich bei den Vertretern des Jugendtreffs für deren Gastfreundschaft.
Ein attraktives Wohngebiet, gerade für junge Familien. So beschreiben die Gäste ihr Wohnviertel am Beginn der knapp zweistündigen Veranstaltung. Die Siedlung habe sich in den vergangenen Jahrzehnten für Ravensburger Verhältnisse zu einem Gebiet mit „erschwinglichen“ Grundstückspreisen gewandelt, obwohl diese vergleichsweise zu anderen Flächen in Deutschland trotz allem sehr hoch sind.
Gelobt wurden die baulichen Veränderungen entlang der Schussen, insbesondere die Aufwertung der dortigen Grünanlagen. Diese Flächen haben sich zu einer „Erholungslandschaft“ gewandelt, die auch viele andere Bewohner der Stadt anzieht. Bemängelt wurden in diesem Zusammenhang jedoch die teilweise Gestaltung entlang des Flusses: zu wenig (instandgesetzte) Bänke, nicht reparierte Schlaglöcher und Straßenlaternen, liegengelassener Müll und viele Hundehaufen, trotz Automaten. Bevor bzgl. letzterem eine „Hundepolizei“ eingreifen solle, wurde nochmals an die Hundebesitzer appelliert, diese Automaten auch zu benutzen.
Jedoch kommt es aufgrund dieser stärkeren Frequentierung des Gebietes zu Problemen im Straßenverkehr. Da es keine Bürgersteige gibt und die Straßen sehr schmal sind, kommt es immer wieder zu Gefahrensituationen durch rücksichtslosen Autofahrer, die sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten und parkenden Autos und spielenden Kindern in der Siedlung. Dieses Problem trifft auch den dort beheimaten katholischen Kindergarten St. Theresia. Wie eine Besucherin berichtete, wurde des Öfteren in der Vergangenheit der Ruf nach einem Zebrastreifen vor der Einrichtung laut. Dieses Ansinnen wurde jedoch immer wieder abgelehnt: Grund sei hierfür, dass zwei Schilder dort stehen, die auf den Kindergarten hinweisen würden. Weiter sei ein Zebrastreifen allein eine „Scheinsicherheit“, da sich in der Folge komplett darauf verlassen würde. Die anwesenden Stadträte sagten zu, eine Anfrage in den Stadtrat bzgl. anderweitiger Lösungsmöglichkeiten hinsichtlich eines Verkehrsberuhigungskonzeptes einzubringen.
Beklagenswert für die Schussensiedler waren auch die beiden Fußgängerunterführungen „am Pfannenstiel“ und „ gegenüber Kilgus“. Die erste ist nachts nicht beleuchtet und dunkel, die andere zumindest an der Auffahrt zur Schubertstrasse recht steil und beengt. Ein guter direkter Zugang aus dem Wohngebiet zur Innenstadt fehlt.
Welche Sorgen treiben die Jugendlichen im ansässigen Jugendtreff am Schussendamm? Diese Frage wurde auch mit dem Gastgeber der Veranstaltung erörtert. Die Jugendlichen nutzen diesen Treffpunkt um mit anderen in Kontakt zu treten, aber auch um günstig etwas zu essen. Angeregt wurde der SPD-Vorstand durch den Wunsch, weitere Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung zu schaffen. Hierzu würden schon einfache Dinge reichen wie Stangen oder Klimmzuggeräte, damit die Jugendlichen „pumpen“ bzw. Krafttraining machen können. Auch wurde von den Jugendlichen selbst über eine Einrichtung eines Trimm-dich-Pfades entlang der Schussen nachgedacht. Weiter wurde gefordert, die Wegbeleuchtung am Fußweg entlang der Schussen instandzusetzen und den Öffnungszeiten des Jugendtreffs anzugleichen. Dadurch mit wird den Eltern die Sorge genommen, die ihre Kinder aus Sicherheitsgründen derzeit nicht bei Dunkelheit in den Jugendtreff gehen lassen wollen. Da der Jugendtreff die Jugendlichen in Form von selbst gestalteten Hochbeeten zu einem gesunden Konsumverhalten anregen möchte, wurde die Idee geboren, eine Zusammenarbeit mit dem angrenzenden Verein der Siedler- und Gartenfreunde auf den Weg zu bringen.
Fazit am Ende des Abends: Die Schussensiedlung ist ein attraktives Wohngebiet mit kleinen Mängeln, die jedoch nicht unlösbar sind. Gelobt wurde, dass die Ravensburger SPD durch dieses Forum die Nöte und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger annimmt. Die anwesenden SPD-Vorstandsmitglieder und Stadträte sagten zu, diese Anregungen in die praktische politische Arbeit mitzunehmen.